100714

Archer-Daniels-Midland Co

ISIN FER Branchengruppe 1 FER Branchengruppe 4 FER-eKGV
US0394831020 Konsumgüter Landwirtschaftliche Produkte KGV-A < 10
Mitarbeiter Marktkap. in Mio. EUR Währung Global Compact Mitglied
28.200 13.543,420 USD NEIN

Branchenverteilung im Unternehmen

Branchen Umsatz
Landwirtschaftliche Produkte 100.00%

Überblick

Archer Daniels Midland Co, kurz ADM, ist einer der größten Lebensmittelproduzenten der Welt und hat seinen Hauptsitz im US-amerikanischen Decatur. Das Unternehmen wurde im Jahr 1902 gegründet. Durch den Erwerb der Midland Linseed Products Company durch die Archer-Daniels Linseed Company 1923 entstand ADM. ADM ist mit über 240 Produktionsstätten in weltweit mehr als 60 Ländern tätig. Mit seinem weltweit umfangreichsten Transportsystem hat ADM mittels Straße, Schiene oder Schiff Zugang zu nahezu allen Erzeugungsstätten der Erde.

Produkte

Der Konzern verarbeitet landwirtschaftliche Rohstoffe (vor allem Sojabohnen, Weizen, Mais und Kakao) zu Nahrungsmittelbestandteilen, Tierfutter, biogenen Treibstoffen und natürlichen Alternativen von Industriechemikalien und Plastik. Weiters stellt das Unternehmen Zitronensäure für Putzmittel her und produziert Vitaminpräparate. Xanthan (ein natürliches Verdickungs- und Geliermittel) und Lezithin werden für den Einsatz in Lebensmittel sowie als Hilfsmittel für Ölbohrungen produziert. ADM verwendet Mais und Zitronensäure auch für die Erzeugung von biologisch abbaubaren Verpackungsmaterialien. Rohstoffe werden auch an die Kosmetik- und die Papierindustrie geliefert.

Umwelt, Ethik und Wirtschaft

Archer Daniels Midland gehört zu den weltweit größten Palmölhändlern. Diese Ölpalme wächst allerdings nur im tropischen Regenwaldklima, da sie fortlaufend hohe Temperaturen sowie Niederschläge und Bewässerung benötigt. Dadurch wird der Regenwald gerodet, da er diesen Palmölplantagen Platz machen muss. Palmöl ist ein wichtiges Mittel für die Lebensmittelbranche, da dieses Öl in einer Vielzahl an Produkten steckt, beispielsweise in Margarine oder in diversen Soßen, aber auch in chemischen Mitteln wie Waschpulver. Ein neuer Trend geht in Richtung Agrosprit aus Palmöl. Der Anteil dieses Öls steigt immer mehr im fossilen Dieselkraftstoff. Laborergebnisse brachten ans Licht, dass bereits bis zu 25 Prozent Palmöl im Dieselkraftstoff enthalten ist. ADM zählt neben Cargill, General Electric, Daimler, Deutsche Bank oder VW auch zu einem der größten Agrosprit-Investoren. Während in Dritte-Welt-Länder Menschen hungern müssen, wird für die Herstellung von Bio-Ethanol und Verpackung aus Nahrungsmitteln massenweise Mais ver(sch)wendet. Der Nobelpreisträger Paul Crutzen rechnete vor, dass für die Herstellung von „Biodiesel“ bzw. „Bioethanol“ vor allem wegen der Dünge- und Spritzmittel die Umwelt mehr verschmutzt wird als für die Produktion von fossilen Brennstoffen. Experten fürchten auch eine fortschreitende Wasserknappheit. Das Unternehmen wird zudem verdächtigt, Soja von Farmern zu kaufen, die an illegaler Landaneignung, Rodung und Sklaverei im Regenwald beteiligt sind. ADM soll gemeinsam mit den Lebensmittelkonzernen Cargill und Bungle für 60 Prozent der Sojaproduktion im Amazonas und damit auch für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich sein. In Indonesien soll für den Bau der Produktionsstätten teilweise illegal Land konfisziert und Einheimische vertrieben worden sein.

Obwohl die Zukunft laut Experten im Elektroauto liegt, wächst die Anzahl der Äcker mit genmanipulierten Pflanzen für Bio-Sprit immer mehr – die drei wohl bekanntesten sind Mais, Raps und Soja. Kleinere Ethanol-Raffinerien in den Vereinigten Staaten wurden von großen Konzernen wie Archer Daniel Midland aufgekauft, nebenbei entstehen riesengroße Ethanol-Fabriken. Das Erdöl soll ersetzt werden durch patentierte Pflanzen. Dadurch beginnen Agrar- und Erdöl- bzw. Autokonzerne mit Kooperationen, beispielsweise arbeitet ADM eng mit VW zusammen, auch der größte Gentechnikkonzern Monsanto kooperiert mit ADM. Auch die Europäische Union möchte bis zum Jahr 2020 etwa zehn Prozent ihres Treibstoffbedarfs mit Bio-Ethanol decken.

Im US-amerikanischen Los Angeles wurde ADM zusammen mit den Lebensmittelkonzernen Cargill und Nestlé auf Kinderhandel geklagt. Die Kinder sollen 14 Stunden am Tag unter Schlägen mit nicht genügend Nahrung und Schlaf zur Arbeit auf den Kakaoplantagen gezwungen worden sein.

Außerdem soll der Lebensmittelkonzern bei der US-Regierung Lobbying betrieben haben, damit Ethanol zu Benzin zugefügt wird. Auch in Brüssel soll ADM seinen Einfluss einsetzen, damit genetisch veränderte Lebensmittel am EU-Markt zugelassen werden. Auch gegen ein Gesetz, dass Kinderarbeit in der Zulieferkette bei den in die USA importierten Lebensmitteln auf freiwilliger Basis aufzeigen soll, wurde angeblich aggressives Lobbying betrieben, wie ILRF - International Labor Rights Forum berichtet.

Das Unternehmen unterstützt ein Moratorium gegen weitere Abholzung der Regenwälder im Amazonasgebiet. Es verspricht keine Rohstoffe von Feldern, die nach 2006 durch Rodung entstanden sind, zu kaufen.

Der Konzern soll auch bemüht sein, seinen Wasserverbrauch zu senken und biologische Landwirtschaft zu fördern, indem er unter anderem Kakaobohnen auf biologischer Basis herstellt. ADM verwendet zwar gentechnisch veränderte Produkte, dennoch möchte der Konzern mehr für gentechnikfreies Soja bezahlen, da bessere Absatzchancen bestünden. Zudem produziert das Unternehmen Verpackungen aus pflanzlichen Rohstoffen.


FER-Bewertungskommentar

Das Unternehmen vertreibt auch gentechnisch veränderte Lebensmittelrohstoffe. ADM ist bemüht, seinen Wasserverbrauch zu senken. Der Konzern ist an der Rodung der Regenwälder beteiligt, zeigt sich aber zumindest durch das Unterstützen eines Moratoriums gegen weiteres Abholzen kooperativ. Das Unternehmen verkauft biologisch erzeugte Produkte, soll aber Lobbying für weichere Regeln in der organischen Landwirtschaft betreiben. Der Konzern wurde wegen Betreibung von Kinderhandel verklagt. Die Herstellung von biogenen Treibstoffen sowie Verpackungen aus organischem Material könnten durchaus positiv gesehen werden, werfen aber angesichts der fortschreitenden Nahrungsmittelknappheit und der schlechten Umweltbilanz schwerwiegende Probleme auf.