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Bayer AG

ISIN FER Branchengruppe 1 FER Branchengruppe 4 FER-eKGV
DE0005752000 Rohstoffe/Erdöl/Erdgas Diverse Chemikalien KGV-A < 10
Mitarbeiter Marktkap. in Mio. EUR Währung Global Compact Mitglied
107.800 - GBP JA

Branchenverteilung im Unternehmen

Branchen Umsatz
Health Care- Produkte allgemein 36.60%
Gesundheitswesen: Dienstleistung 29.58%
Landwirtschaftliche Chemikalien, Düngemittel, Pestizide 19.39%
Pharmazeutika 10.21%
Gesundheitswesen 4.22%

Überblick

Bayer AG, mit Hauptsitz in Leverkusen, ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Drei Teilkonzerne (Bayer HealthCare, Bayer CropScience und Bayer Material/Science) und drei Servicegesellschaften (Bayer Business Services, Bayer Technology Services, Currenta) arbeiten auf eigene Verantwortung unter der Führung der Management-Holding. Bei der strategischen Führung des Unternehmens wird der Konzernvorstand vom Corporate Center unterstützt. Im Jahr 2006 gelang durch die Übernahme von Schering die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte. Die daraus resultierende Bayer Schering Pharma ist ein Spitzenunternehmen, das eine starke Position im Bereich der Biologika einnimmt. Der Konzern wurde 1863 gegründet und führt weltweit 350 Gesellschaften.

Produkte

Bayer AG produziert mehr als 5.000 Produkte, unter anderem das bekannte Medikament Aspirin sowie zahlreiche Fungizide, Herbizide, Vitamine und Insektizide.

Umwelt, Ethik und Wirtschaft

Ein Lehrer aus Bayern verklagt den Pharmakonzern Bayer Schering AG aufgrund des Hormonpräparats Duogynon, welches in den 70er Jahren eingesetzt wurde, um zu testen, ob Frauen schwanger seien. Etwa 1000 Frauen, bei denen dieses Medikament eingesetzt wurde, brachten daraufhin Kinder mit Missbildungen zur Welt, wie Wasserkopf oder offener Rücken und Bauch. Wenige Zeit später fand bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Hersteller Schering AG statt, welches allerdings in den 80er Jahren eingestellt wurde und seither enorm an Bedeutung verlor. Durch die Klage des bayerischen Lehrers, dem beispielsweise ein künstlicher Harnausgang gelegt wurde, kommt dieser Vorfall wieder ins Rampenlicht. Der Konzern bestreitet zwar jede Schuld, allerdings ist abzusehen, dass sich der Klage des Lehrers wohl noch mehrere Menschen mit Missbildungen anschließen werden, deren Mütter damals dieses Hormonpräparat verabreicht wurde. Bayer Schering AG wurde im Jahr 2006 durch die Übernahme der Schering AG durch den Mutterkonzern Bayer AG gegründet.

In den 80er Jahren infizierten sich mehere hundert Bluterkranke mit AIDS. Sie hatten ein Gerinnungsmedikament des Bayer-Konzerns eingenommen, das mit dem Virus kontaminiert war. Das Mittel wurde aus Blutplasma hergestellt, das von HIV-infizierte Blutspendern verseucht wurde. Zu dieser Zeit gab es noch keine Aidstests. Es wurde ein spezielles Hitzeverfahren entwickelt, um den Virus abzutöten, wonach das neue Medikament wieder verschrieben werden durfte. Bis zu diesem Zeitpunkt jedoch konnte die Produktion der unbehandelten Medikamente trotz aller Risiken nicht eingestellt werden. Laut Bayer seien die Präparate für die Patienten lebenswichtig gewesen. In Japan florierte das Geschäft mit den alten Produkten noch über zwei Jahre lang. Aus Firmenunterlagen gehe hervor, dass die vorhandenen Vorräte noch verkauft und so Kosten eingespart wurden. Knapp 2.000 Japaner schlossen sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammen und forderten Entschädigung. Erst im Jahr 1996 lenkte Bayer AG aufgrund Aufdeckung von Korruption ein. Der damalige Abteilungsleiter im japanischen Gesundheitsministerium soll von Bayer AG und anderen Pharmafirmen bestochen worden sein. Er soll über 400.000 US-Dollar Schmiergeld bekommen und zudem erlaubt haben, dass die HIV-infizierten Blutprodukte frei und ohne Warnung verkauft werden.

Der Toxic 100 Air Polluters Index 2010 ermittelt die Top-US-Luftverschmutzer unter den größten Unternehmen weltweit. Der Index beruht auf Studien der Umweltschutzbehörde Environmental Risk Screening Indicators (RSEI). Die Reihung der Konzerne erfolgt nach der Höhe der chronischen Gefährdung für die menschliche Gesundheit durch industrielle Gift und Chemikalien. Im Jahr 2010 kam die Bayer AG auf Platz 1 der Rangliste. Beim Ranking sind die erreichte Giftpunktzahl (Masse der direkt und indirekt in die Luft abgegebenen Schadstoffe) und die Masse der direkt und indirekt ausgestoßenen Luftgifte ausschlaggebend.

Dem Bayer-Konzern wird außerdem vorgeworfen, von Kinderarbeit zu profitieren. Im Jahr 2007 wurde eine Studie über die ausbeuterische Kinderarbeit bei Zulieferern der Konzerne Bayer AG und Monsanto veröffentlicht. Die Studie besagte, dass Kinder in Indien immer noch für die Bayer Tochterfirma ProAgro Saatgut für Baumwolle herstellen. Kinder sollen bis zu 12 Stunden täglich arbeiten und müssen oft sogar auf den Felder bleiben, obwohl hochgiftige Pestizide versprüht werden. Der Konzern hat im Jahr 2002 zwar Aktionspläne gegen Kinderarbeit entwickelt, die zu einer erheblichen Verminderung von Kinderarbeit geführt haben, trotzdem ist es dem Weltkonzern nicht gelungen, das Problem in den Griff zu bekommen. Zudem hat Bayer angekündigt, die Anbauflächen für Baumwoll-Saatgut in Indien zu versechsfachen.

In Peru ereignete sich im Jahr 1999 ein Unfall, bei dem 50 Schulkinder durch das Insektizid Folidol – ähnelt Milchpulver – vergiftet wurden. Rund 24 von ihnen verstarben, nachdem sie verunreinigtes Milchpulver zu sich nahmen. Eine Untersuchungskommission des peruanischen Kongresses warf Bayer AG im Jahr 2002 dann unzureichende Kennzeichnung von Warnhinweisen auf den Original-Kunststoffbehältern vor.

Laut Studie soll Bayer AG illegale Preisabsprachenen mit etwa 11.000 deutschen Apotheken vereinbart haben. Der Konzern hatte den Apothekern einen zusätzlichen Rabatt von 3 Prozent versprochen, sofern sich diese an die vorgegebenen Grenzen für Preisnachlässe hielten. Dadurch drohte dem Unternehmen ein Wettbewerbsverfahren mit einem Bußgeld von 2,9 Milliarden Euro. Ein durchgeführter Apothekencheck hatte ergeben, dass man in 90 Prozent aller Apotheken einen Preis in Höhe der unverbindlichen Bayer-Preisempfehlung für Aspirin verlangt hatte.

Das vom Bayer-Konzern hergestellte Erkältungsmittel Alka Seltzer enthielt bis zum Jahr 2000 den Inhaltsstoff Phenylpropanolamin, der das Risiko eines Schlaganfalls erhöht. Ein amerikanisches Gericht verurteilte den Konzern schließlich im Jahr 2004 zu 400.000 US-Dollar Schadenersatz, da ein Mann nach Einnahme dieses Medikaments einen Schlaganfall erlitten hatte.

Der vielfache Verkauf von Antibiotika in der Tierzucht bewirkt eine steigende Antibiotika-Resistenz von Keimen, vor allem Baytril. Darum wurden Bayer AG und ein weiteres Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde ersucht, dieses Präparat nicht mehr herzustellen, woraufhin der Konzern Beschwerde einreichte.

Laut einer amerikanischen Universität ist Bayer AG der viertgrößte Umweltverschmutzer der USA.

Im Oktober 2009 wurde bekannt, dass die EU-Kommission mehrere Pharmakonzerne aufgrund Verdachts auf Kartellabsprachen kontrollieren möchte, da diese ihre dominierende Marktposition auf Kosten der Wettbewerber sowie Konsumenten missbrauchen sollen. Dies würde einen Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht bedeuten. Die Namen der Pharmakonzerne wurden jedoch nicht genannt. Allerdings wurde betont, dass die Unternehmen Merck KGaA, Roche AG, GlaxoSmithKline, AstraZeneca plc und Bayer AG nicht von der EU-Kommission überprüft wurden.

Der langandauernde Patentstreit um genmodifizierte Pflanzen zwischen CropScience, einer Tochtergesellschaft der Bayer AG, und Syngenta AG wurde Anfang Juli 2010 außergerichtlich beendet. Der Patenstreit handelte von Insektenbefall resistente genmodifizierte Pflanzen.


FER-Bewertungskommentar

Beim Toxic 100 Air Polluters Indes 2010 (Index der Top-US-Luftverschmutzer) nimmt das Unternehmen Platz 1 der Rangliste ein. Bayer AG steht unter Verdacht, mehr als 11.000 Apotheken dafür bezahlt zu haben, den Absatz von Aspirin zu steigern. Es besteht auch der Vorwurf über Bestechung, um ein AIDS-verseuchtes Medikament in Japan weiter verkaufen zu dürfen. Trotz Bemühungen ist es dem Konzern nicht gelungen, Kinderarbeit bei seinen Zulieferbetrieben zu verhindern. Im Jahr 1999 kam es in Peru zu einem Unfall, bei dem einige Kinder ums Leben kamen, da diese mit dem gefährlichen Insektizid Folidol vergiftet wurden. Aufgrund steigender Antibiotika-Resistenz beim Verkauf von Antibiotika in der Tierzucht wurde Bayer AG ersucht, ein Präparat vom Markt zu nehmen, woraufhin das Unternehmen Beschwerde einreichte.